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WOMAN AT WORK

2016 habe ich WOMAN AT WORK gegründet, ein auf Frauen zugeschnittenes professionelles Business Coaching. Im diesem Interview erläutere ich die Hintergründe.

Katharina, Du bist seit zwanzig Jahren beruflich in der Marketing-Kommunikation und PR unterwegs, hast seit fünfzehn Jahren Deine eigene Beratungsfirma, unterschiedlichste Projekte am Start. Und nun Coaching. Wie kam es dazu?

Das war ein langer Prozess und hat viel mit meinen persönlichen Erfahrungen zu tun. Ich bin ein handlungsorientierter, direkter Typ und habe mich stets mehr für das Machen als für Beziehungen interessiert. Als berufstätige Frau, die durchstarten wollte, merkte ich schnell (und das zunächst in der durchaus von Frauen dominierten PR-Branche), dass das nicht funktionieren wollte. Vielmehr schien es, dass von mir erwartet wurde, „nett“ zu sein und anderen den beruflichen Erfolg zu überlassen, vor allem Männern, aber durchaus auch Frauen. Ich nahm häufig Coaching in Anspruch, blieb aber trotzdem jahrelang unzufrieden – mit den Coaches, dem Coaching-Prozess und den Lösungen, die in meiner beruflichen Realität nicht umsetzbar waren. Also beschloss ich, es selbst besser zu machen. Außerdem hatte ich nach zwanzig Jahren im Marketing Lust auf etwas Neues, etwas mit mehr „sozialer Relevanz“.

Als Coaching-Neuling merkte ich dann, dass Frauen und Männer häufig ganz andere berufsbezogene Themen hatten und die Sozialpsychologie für diesen Gender Gap längst ein Erklärungsmodell hatte. So beschloss ich, meinen Coaching-Ansatz auf diese wissenschaftliche Grundlage zu stellen, nämlich dass unsere Wahrnehmung von Männern und Frauen auf unbewussten Rollen-Stereotypen basiert, die sowohl gesellschaftlich als auch individuell wirken, bei Männern genauso wie bei Frauen. Und dieser Stereotyp, der nach wie vor unsere westliche Kultur bestimmt, führt dazu, dass hochqualifizierte, handlungsorientierte Frauen in der Gesellschaft häufig abgestraft werden, während deutlich weniger kompetente männliche „Haudegen“ es bis ins US-Präsidentenamt schaffen können.

Trotz oder gerade wegen dieser aktuellen politischen Entwicklungen ist Feminismus momentan stark en vogue. Bei Männern genauso wie bei Frauen gilt es mittlerweile als schick, mit „I’m a feminist“ bedruckte T-Shirts oder auf Demonstrationen rosa Mützen zu tragen. Alles Schall und Rauch, oder hat es der Feminismus nun endlich aus der „lila Ecke“ in die gesellschaftliche Mitte geschafft?

Das kann man meiner Ansicht nach noch nicht mit Sicherheit sagen. Kulturelle Stereotype verändern sich langsam und nicht nur in eine Richtung, aber sie verändern sich. In Deutschland sieht man das ganz gut. Wir können, denke ich, mit gutem Gewissen sagen, dass die juristische Gleichberechtigung von Frauen und Männer hierzulande so gut wie vollbracht ist. Sicher gibt es noch einiges zu tun, aber in kaum einem anderen Land auf diesem Planeten haben Frauen so viele Wahl-, Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten wie bei uns. Und wir können offen über den Gender Gap diskutieren, ohne dass das als „Gedöns“ abgekanzelt wird wie noch vor wenigen Jahren. Trotzdem fühlen sich viele Frauen benachteiligt (und zunehmend auch Männer), und Statistiken belegen das ja auch. Ich bin jedoch für einen konsequenten Perspektivwechsel der Frauen, raus aus der Opferrolle, rein in den Fahrersitz. Das ist mein Credo als Unternehmerin und Business Coach bei WOMAN AT WORK.

Trotz aller Erfolge, Frauen verdienten in Deutschland 2016 immer noch im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer. Rechnet man alle strukturellen Faktoren wie Teilzeitbeschäftigung oder die schlechter bezahlten sozialen Berufe bei Frauen heraus, bleibt immer noch ein Gender Pay Gap von sechs Prozent. Was kann man dagegen tun?

Meiner Ansicht nach ist es entscheidend, dass jeder und jede von uns sich darüber im Klaren ist, dass hier veränderbare, unbewusst wirkende Stereotype am Werk sind und nicht etwa Naturgesetze. Es ist kein Naturgesetz, dass Frauen als einfühlsam und beziehungsorientiert eingestuft werden und Männer als die Macher, Denker und Anführer. Es ist kein Naturgesetz, dass berufliche Tätigkeiten, die typischerweise von Frauen ausgeführt werden, zum Beispiel in sozialen Berufen, schlechter bezahlt werden als etwa IT-Dienstleistungen oder eine Autoreparatur. Es ist kein Naturgesetz, dass der weibliche CEO eines Automobilkonzerns deutlich schlechter bezahlt wird als ihr männliches Pendant bei der Konkurrenz. Das alles ist weder Naturgesetz noch Gottgegeben, sondern konstruierte, subjektive Realität und damit veränderbar. Professionelles Coaching kann bei dieser Veränderung unterstützen. Und das können wir bei WOMAN AT WORK besonders gut.

Mehr über WOMAN AT WORK Business Coaching für Frauen erfahren Sie hier.

As Interview wurde im Frühjahr 2017 geführt.

Foto: Eddy Lackmann – unsplash